Autopoiesis und Ökologie bei Niklas Luhmann

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3. Gesellschaft als Einheit der Differenz autopoietischer Funktionssysteme und struktureller Kopplungen

3.1 Funktionale Differenzierung als primäre Differenzierungsform moderner Gesellschaften

Funktionale Differenzierung ist sachliche Differenzierung entlang spezifischer Systemprobleme - anstelle früher vorherrschender zeitlicher bzw. sozialer Differenzierung. Grenzen verlaufen nun entlang gesellschaftlicher Funktionsbereiche. Mehr als zuvor kommt es zur Komplexitätssteigerung, und zwar epigenetisch als Nebenfolge der Differenzierungsform.

Die funktional differenzierte Gesellschaft setzt sich aus ungleichen Teilsystemen zusammen, die exklusiv zentrale gesellschaftliche Funktionen bedienen1. Jedes Teilsystem vereint eine spezifische Funktion und ein Kommunikationsmedium mit Universalzuständigkeit auf sich2. Auf der Institutionalisierung einer Leitdifferenz zur spezifischen Behandlung von Wirklichkeit - nicht aufgrund des Einheitsgesichtspunktes der Funktion und auf der Dekomposition des Ganzen in Teile - basiert die Kategorisierung moderner Gesellschaften als funktional differenzierte Gesellschaften3. Der Begriff der Arbeitsteilung im Sinne einer Aufteilung von Welt erfaßt diese funktionale Spezifikation nicht4, denn unter dem Gesichtspunkt der je eigenen Leitunterscheidung wird die Welt als ganze betrachtet5.

Jedes neu ausdifferenzierte Teilsystem greift zunächst in die Zuständigkeit anderer Systeme ein6. Es kommt zur anfänglichen Überschneidung von Perspektiven, nach und nach werden aber Kompetenzen angezogen und vom bisher zuständigen System abgegeben.

Diese Perspektivenwahl spezifiziert die Autopoiese durch Ausblendung von Drittwerten7. Die Anwendung eines bestimmten Codes ist kontingent und nicht vom Gegenstand vorgegeben. Sofern aber ein Code Anwendung findet, gilt nur dieser. In den eigenen Operationen wird das System indifferent gegenüber Umweltereignissen, um eine eigene Komplexität aufbauen zu können. Umwelt kann das System allenfalls irritieren. Diese Indifferenz gegenüber anderen Möglichkeiten der Beobachtung macht die binäre Ausrichtung und folglich Selbstreferenz allererst möglich: tertium non datur8.

Zentral wird hierfür das Konzept der Irritation als "Form, mit der ein System Resonanz auf Umweltereignisse erzeugen kann"9 , obwohl ein operativer Kontakt zur Umwelt ausgeschlossen ist. Resonanz erlaubt "rekursiv-geschlossene Reproduktion bei umweltoffener Irritierbarkeit"10. Sie bestimmt sich durch hohe Resistenzen einerseits und sehr spezifische Sensibilitäten andererseits. Das System legt fest, welche Irritation es wie als Information wertet und wie es darauf reagiert. "Reaktion" meint dabei immer: Fortsetzung der Autopoiese nach systemintern bestimmtem Prozessieren, abhängig von der Anschlußfähigkeit vorgängiger Operationen.

Irritation ist ein systemeigener Zustand - ohne Entsprechung in der Umwelt: Die Umwelt muß nicht selbst irritiert sein11. Irritationen werden intern, soweit möglich, als Information behandelt. Sie müssen selbst handhabbar sein, um als Probleme thematisiert und bearbeitet werden zu können. Als Erwartungsenttäuschung registrierte Irritationen regen zur Fortsetzung der Autopoiese an. Es bleibt aber offen, ob dazu Strukturen geändert, Erwartungen angepaßt werden müssen12. Je nach gegenwärtiger interner Struktur wird versucht, die Irritation durch Strukturveränderungen zu normalisieren, allerdings nicht im Sinne einer Anpassung der Systeme untereinander oder an ihre Umwelt.

Funktionale Differenzierung steigert Irritabilität, die Fähigkeit rasch zu reagieren, bezahlt dies aber mit Koordinationsproblemen, also mit einer Selbstirritation der Gesellschaft aufgrund der wechselseitigen Irritationen der Teilsysteme. Das Gewicht verlagert sich von Antizipation auf Reaktion13.

Die Teilsysteme haben nicht aufeinander abbildbare Beobachterverhältnisse. Statt dessen entsteht eine Pluralität14, eine Polykontexturalität inkommensurabler perspektivischer Welten15. Diese hebt die vorherige stratifikatorische Alternativlosigkeit von Gesellschaftsbeschreibungen auf. Jedes Faktum kann mehrfach beobachtet und beschrieben werden. Die moderne Gesellschaft besitzt keine substantielle Identität mehr und kann nicht mehr eindeutig beschrieben werden - auch nicht als "Risikogesellschaft". Der Blick auf die multizentrische Gesellschaft existiert nicht anders als standortgebunden und kontingent, aus der Perspektive der einzelnen Systeme, ohne daß die verschiedenen Perspektiven sich auf einer Metaebene zu einer Totale zusammensetzen ließen. In der Heterarchie der funktional differenzierten Gesellschaft hat keines der Teilsysteme mehr den Primat für die Gesellschaft als ganze inne. Der Primat, den jedes System für sich beansprucht, gilt nicht auch für andere Systeme. Die repraesentatio identitatis ist unmöglich geworden16. Die Einheit der Gesellschaft löst sich in die Differenz ihrer Funktionssysteme auf17: Ihre Struktur ergibt sich aus ihrer Differenzierungsform und den Verhältnissen der Teilsysteme untereinander, zur Gesellschaft und zu sich selbst18.

3.2 Die evolutionstheoretische Sicht auf die Ausdifferenzierung der Funktionssysteme

Luhmann versteht seine Theorie-Anlage evolutionär19. Im Lauf der soziokulturellen Evolution bilden sich komplexe Systemstrukturen aus, die Umweltkomplexität reduzieren und damit Möglichkeitsräume eröffnen. Evolution führt zur Erweiterung der Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Kommunikation durch Strukturänderung qua Variation, Selektion und Konsolidierung von Erwartungen.

Variationen erzeugen neue Möglichkeiten von Erleben und Handeln. Sprache als Variationsmechanismus läßt die Generierung immer neuen Sinns bereits durch bloße Negation zu. Verstärkend wirken Schrift und Verbreitungsmedien, die zahllose Variations- bzw. Kommunikationsanlässe bieten. Rechtliche Konfliktregulierung schafft einen geschützten Raum für dissipative Tendenzen. Neue Ideen werden zu Mutanten und kommunizierten Bewußtseinsinhalten.

Kommunikationsmedien wie etwa Macht oder Reputation unterstützen die Selektion von Kommunikationen, indem sie die Chancen der Annahme von Kommunikation erhöhen.

Schließlich bilden sich über Kondensierung und Konfirmation Erwartungen. Strukturen stabilisieren sich und fügen sich in gegebene Differenzstrukturen oder führen zu weiterer Differenzierung. Ausdifferenzierung ist eine Folge der Steigerung von Erwartungserwartungen20. Diese "veranlassen alle Teilnehmer, sich wechselseitig zeitübergreifende und in diesem Sinne strukturelle Orientierungen zu unterstellen"21. Erwartungserwartungen können auch als symbolische Kürzel in die Programmstrukturen eingebaut werden. Diese ermöglichen dann "als Pauschalunterstellungen [...] ausreichende Flüssigkeit der Kommunikation. Sie können sich gegenüber der faktischen Erwartungslage [...] verselbständigen"22.

Subsystemdifferenzierung wiederholt Systembildung in Systemen. Das Gesamtsystem wird in je spezifischer Weise zur internen Umwelt23. Auf dem Wege der Penetration stellt das übergeordnete System seine Komplexität für die Ausdifferenzierung von Subsystemen zur Verfügung. Dabei werden Funktionen im Hinblick auf das übergeordnete System ausdifferenziert, die Grundfunktion für die Gesellschaft besteht in der Reduktion von Weltkomplexität. Subsysteme differenzieren sich autokatalytisch mit Bezug auf Probleme der gesellschaftlichen Reproduktion aus. Im Gegensatz zu Parsons ist die Gesellschaft jedoch kein ranghöheres Sondersystem, auf das hin Leistungen produziert werden. Der Leistungsbereich verweist vielmehr auf die wechselseitige Abhängigkeit der Teilsysteme in der Gesellschaft24. Die Gesellschaft wird allerdings solche Ausdifferenzierungen nur tolerieren, solange ein funktionaler Bezug auf gesellschaftliche Probleme vorliegt25.

Die Evolution der Gesellschaft findet primär in den Teilsystemen mit ihren je spezifischen Mechanismen statt, nicht in der Gesellschaft als ganzer und nicht auf der Ebene der Organisationen26. Formale Organisationen sichern aber neben Kommunikationsmedien die Autopoiese ab, Kommunikationsmedien tun dies locker, Organisationen fest27.

Evolution ist sich selbst konditionierende Selektion - ohne Autor, Planung oder Intention. Sie verläuft kontingent, weder irreversibel noch unilinear, und ist nicht mit teleologischem Fortschritt oder Wachstum zu identifizieren28. Die evolutionäre Weiterentwicklung ist kein notwendiger, kontinuierlicher Prozeß, sondern ein Nacheinander unverbundener Ereignisse29, in komplexen Systemen: ein Nebeneinander vieler lokaler Kettenreaktionen. Variation, Selektion und Stabilisation sind nicht aufeinander abgestimmt. Nur so werden zufällige Mutationen durch Selektions- und Retentionsmechanismen zweifach gefiltert30.

Trotzdem mündet das Leitproblem der Fortsetzung der Autopoiese durchaus auch in Wachstum, nicht jedoch gezielt. Weil die Selbstidentifikation psychischer Systeme in einer funktional differenzierten Gesellschaft nur mehr über Ansprüche zustandekommen kann31 werden die Teilsysteme, die ihrerseits den Anspruch vertreten, die Vollinklusion psychischer Systeme sicherzustellen, zum Wachstum und zu immer weiterer Differenzierung angeregt. Die Teilsysteme bilden - soweit die Umwelt das zuläßt - aus eigenem Antrieb "keine Stoppregeln"32 aus, keinen "Anhaltspunkt [...] für Argumente gegen die bestmögliche Erfüllung der Funktion"33. Beschränkt werden diese Steigerungstendenzen der Domänenausdehnung und Autonomiesicherung weder durch ein hegemoniales System noch durch eine gesellschaftsübergreifende Wertordnung, sondern nur durch Ressourcenprobleme auf der energetischen Ebene.

Schimank kritisiert den Stellenwert, den Luhmann einer ateleologischen Evolution für die gesellschaftliche Ausdifferenzierung einräumt, und postuliert stattdessen Anpassungsdruck - über Sachzwänge und Kontextsteuerung, unterstützt durch Reflexion - als Entwicklungsmotor: Strukturänderungen könnten zu Komplexitätssteigerungen führen und dasselbe in anderen Systemen bewirken34.

Dies ist aus zwei Gründen zurückzuweisen:

Systeme produzieren zwar positive und negative Externalitäten für ihre Umwelt, beides aber nicht gezielt: der Leistungsbereich ist vom Funktionsbereich getrennt. Leistungen für andere Systeme sind immer nur Nebeneffekt der Autopoiese und nicht direkt im Hinblick auf diese anderen Systeme und ihre Bedürfnisse produziert35. Dies scheitert bereits an der Intransparenz der Systeme36. Nur über die Herausbildung struktureller Kopplungen kann es zur Institutionalisierung positiver und Eindämmung negativer Externalitäten kommen. Systeminterne Funktionsorientierung kann zwar im Ergebnis wie externe Umweltorientierung erscheinen, aber Kopplungen entstehen kontingent und eigenbestimmt.

Schimank übersieht auch, daß Systeme immer schon angepaßt sein müssen, um überhaupt existieren zu können. Anpassung an Umwelterfordernisse kann nicht das Ergebnis kognitiver Leistungen des Systems sein, da die Umweltkomplexität die Systemkomplexität vielfach übersteigt und da jede Beobachtung einen nicht mitgesehenen unmarked space erzeugt. Die Bedingungen des law of requisite variety sind damit nicht erfüllt37. "Der Gesamteffekt aber ist [...] nicht Anpassung, sondern Abweichungsverstärkung"38, mithin negentropische Emergenz. Eine über die bestehende Minimalanpassung hinausgehende Anpassung ist nicht erforderlich: "Gesellschaften können in hohem Maße unangepaßt evoluieren, sofern sie nur ihre Reproduktion fortsetzen können"39. Vor allem in Bezug auf die außergesellschaftliche Umwelt ist mit evolutionärer Anpassung nicht zu rechnen40. Nur so ist die ökologische Selbstgefährdung der Gesellschaft zu begründen.

In den Sozialen Systemen war Evolution noch der Schlüssel zur Auf-Lösung der gesellschaftlichen Rationalitätsproblematik. "Der Problemaufriß der Rationalität besagt nicht, daß die Gesellschaft Probleme dieses Formats lösen müßte, um ihr Überleben zu sichern. Fürs Überleben genügt Evolution"41, nämlich Koevolution strukturell gekoppelter Teilsysteme in Abhängigkeit vom gesellschaftlichen Gesamtsystem42 ohne zusätzliche Integrationsmechanismen.

Im Zuge der Beschäftigung mit der ökologischen Problematik schränkt Luhmann diese optimistische Sicht jedoch erheblich ein:

"Die ökologische Selbstgefährdung liegt also durchaus im Rahmen der Möglichkeiten von Evolution. [...] Man muß mindestens auch mit der Möglichkeit rechnen, daß ein System so auf seine Umwelt einwirkt, daß es später in dieser Umwelt nicht mehr existieren kann. Die primäre Zielsetzung autopoietischer Systeme ist immer die Fortsetzung der Autopoiese ohne Rücksicht auf Umwelt, und dabei wird der nächste Schritt typisch wichtiger sein als die Rücksicht auf Zukunft, die ja gar nicht erreichbar ist, wenn die Autopoiese nicht fortgesetzt wird. Die Evolution sorgt langfristig dafür, daß es zu 'ökologischen Gleichgewichten' kommt. Aber das heißt nichts anderes, als daß Systeme eliminiert werden, die einem Trend der ökologischen Selbstgefährdung folgen"43.

"Eines kann man heute sicher wissen: Die Evolution hat immer schon in hohem Maße selbstzerstörerisch gewirkt. [...] Wenig von dem, was sie geschaffen hat, ist erhalten geblieben. [...] Und ebenso sind fast alle Kulturen, die das menschliche Leben bestimmt haben, verschwunden"44.

3.3 Strukturelle Kopplung und Interpenetration

3.3.1 Strukturelle Kopplung

Autonome Systeme legen die Form des Austauschs mit der Umwelt nach Maßgabe autopoietischen Prozessierens fest. Zwar gibt es vielfältige Kausalbeziehungen zwischen Umwelt und System45, aber die Umwelt kann soziale Systeme operativ nur durch Störungen der Kommunikation irritieren, und diese müssen auf sich selbst reagieren.

Fallen solche Irritationen wiederholt und regelmäßig an, dann "kann das System andere Systeme in der Umwelt voraussetzen, die dafür verantwortlich sind"46 und sich bei fehlenden Gegenimpulsen antizipativ qua structural drift darauf einstellen. Doch die Systeme bleiben trotz Kopplung füreinander Umwelt und black boxes. Strukturelle Kopplungen nehmen in der so verstandenen Koevolution die Stelle umweltbedingter Selektionen ein. Es kommt zur

"Umformung analoger (gleichzeitiger, kontinuierlicher) Verhältnisse in digitale, die nach einem entweder/oder-Schema behandelt werden können, und ferner Intensivierung bestimmter Bahnen wechselseitiger Irritation bei hoher Indifferenz gegenüber der Umwelt im übrigen"47.

Das System profitiert von strukturellen Kopplungen dadurch, daß es "bestimmte Eigenarten seiner Umwelt dauerhaft voraussetzt und sich strukturell darauf verläßt"48.

Auch diese Strukturanpassung ist nicht Anpassung an die Umwelt oder Annäherung an teleologisch vorgegebene Systemzustände. Strukturelle Kopplung resultiert in systeminternen Beschränkungen anschlußfähiger Operationen, ausgelöst durch ein Umwelt-System. Kommunikations-, Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten eines Systems werden dadurch limitiert, daß die Erwartungen anderer Systeme in Form von Erwartungserwartungen berücksichtigt werden. Eigentum und Vertrag fungieren als Kopplung und gleichzeitige Beschränkung der Kopplung von Wirtschaftssystem und Rechtssystem49, die Verfassung als Kopplung zwischen Recht und Politik50. Das Rechtssystem kann das Wirtschaftssystem über die Festlegung von Grenzwerten einschränken. Der Zustand des Wirtschaftssystems beeinflußt wiederum politische Programme.

Strukturelle Kopplungen heben die Autopoiese nicht auf, weil sie dem System nicht deterministisch aufgezwungen werden. Sie respektieren einerseits die Grenze zwischen System und Umwelt51, unterstützen aber die Irritabilität des Systems durch Bildung hochselektiver Zusammenhänge zur Kanalisierung und Steigerung relevanter Irritationen52. Eine gewisse "Robustheit beim Absorbieren von Störungen"53 erhält andererseits die Identität des Systems.

Auf Ereignisebene kommen auch operative Kopplungen durch den momenthaften Bezug zweier Systeme auf dasselbe Ereignis und unterschiedlicher daran anschließender Beobachtungen zustande54. Eine Zahlung kann nicht nur als Operation des Wirtschaftssystems beobachtet werden, sondern auch als Befriedigung eines Anspruchs im Rechtssystem. Das hat einen Kontakt beider Systeme weder zur Voraussetzung noch zur Folge, auch bildet sich kein Kommunikationssystem zwischen ihnen aus. Eine Geldüberweisung wird erst zu einer Zahlung oder zu einem Rechtsakt, wenn sie mittels der Unterscheidung Zahlung/Nichtzahlung oder recht/unrecht beobachtet wird.

3.3.2 Interpenetration

"Von Penetration wollen wir sprechen, wenn ein System die eigene Komplexität (und damit: Unbestimmtheit, Kontingenz und Selektionszwang) zum Aufbau eines anderen Systems zur Verfügung stellt. [...] Im Falle von Interpenetration wirkt das aufnehmende System auch auf die Strukturbildung der penetrierenden Systeme zurück; es greift also doppelt, von außen und von innen, auf dieses ein" 55.

Auch interpenetrierende Systeme operieren autonom56. Für interpenetrierende Systeme bilden sich strukturelle Kopplungen koevolutiv heraus, die für die Systeme von existentieller Bedeutung sind57. In besonderem Maße gilt das für das Verhältnis von psychischen und sozialen Systemen58. Über die Form "Person" werden psychische mit sozialen Systemen gekoppelt. Aus der Sicht des sozialen Systems dient diese Schnittstelle der Bearbeitung des Problems der doppelten Kontingenz qua Einschränkung des Verhaltensrepertoires der psychischen Systeme59. Über Personen können aber Funktionssysteme nicht miteinander verknüpft werden. Personen finden ihre Einheit nicht in dem Individuum, dem sie zugeordnet sind, so daß sich etwa die Mitgliedschaft in mehreren Organisationen funktionssystemübergreifend auswirken könnte60. In Individuen oder Organisationen als Trägern verschiedener Kommunikationen vermischen sich die Funktionssysteme nicht. Auch wenn Forschung zunehmend in der Industrie angesiedelt ist, auch wenn unabhängige staatliche Institutionen von Konzernen und Industrieverbänden finanziert werden, auch wenn Politiker in Aufsichtsräten sitzen, tangiert das noch nicht die Autonomie der Funktionssysteme selbst61.

Handlungstheoretiker wie Münch oder Schimank plazieren an dieser Stelle den Akteur. Während Personen immer nur kommunikationsinterne, systeminterne Adressen bezeichnen, gehören handelnde Individuen oder Organisationen mehreren Systemen an und orientieren sich daran gleichzeitig62. Das Funktionieren der Ausdifferenzierung wird von der Überbrückung der Gegensätze durch Individuen abhängig gemacht. Für Münch stehen auch Teilsysteme in einer Beziehung gegenseitiger Interpenetration. Tendenzen der Verrechtlichung, Verwissenschaftlichung, Politisierung und Kommerzialisierung entdifferenzieren die Gesellschaft63. Auch für Beck ist die Zweite Moderne wesentlich durch Entdifferenzierung gekennzeichnet64.

Während Interpenetration in dieser Lesart Funktionsübernahme impliziert, koppeln sich für Luhmann Systeme nach Maßgabe der eigenen Autopoiese65. "Entscheidend ist, daß die Grenzen des einen Systems in den Operationsbereich des anderen übernommen werden können"66, also dessen Irritabilität bzw. Resonanzfähigkeit, nicht aber dessen Operationsweise.

Auch Interferenzen zwischen Teilsystemen sind in Einzelfällen möglich, wissenschaftliche Kontroversen können in ökonomische Nachteile münden, ökonomische Vorteile können politischen Einfluß begründen. Doch auch das impliziert noch nicht kollektive Effekte. Luhmann bestreitet nicht die Möglichkeit der Vermittlung zwischen Systemen, doch vor der Herstellung von Zusammenhängen steht die systemspezifische Unterscheidung. Erst sekundär werden Beziehungen hergestellt67.

Für Organisationen postuliert Luhmann auch die Möglichkeit intersystemischer Kommunikation, die den Teilsystemen aufgrund fehlender Adressabilität versagt ist68. Nur in der hierarchischen Selbstbeschreibung der Organisation kann die eigene Einheit repräsentiert werden. Und nur so kann ein System mit anderen Systemen in seiner Umwelt kommunizieren und verhandeln69. Erst die Durchorganisierung der Gesellschaft sichert so die funktionale Differenzierung ab. Doch dies kann keinesfalls als Preisgabe des Konzepts der Subjektlosigkeit von Kommunikation verstanden werden: auch Organisationen dienen nur als Anknüpfungspunkte für Mitteilungshandlungen. Was kommuniziert, ist die Kommunikation70. Kommunikationen "zwischen" Organisationen sind nicht intersystemisch auf Organisationsebene, sondern nur teilsystemisch konzipierbar, wobei Mitteilungen auf Organisationen attribuiert werden. Teilsystemübergreifende Kommunikationen sind auch so nicht denkbar. Jedoch gehören Organisationssysteme nicht vollständig einzelnen Funktionssystemen zu, sondern haben an unterschiedlichen Kommunikationen teil. Jedes Ereignis erscheint in Organisationen polykontextural71. Organisationen überlagern so die teilsystemische Differenzierung, setzen sie aber nicht außer kraft.

3.4 Integration versus Autonomie

"Faktisch sind alle Funktionssysteme durch strukturelle Kopplungen miteinander verbunden und in der Gesellschaft gehalten"72. Zentrifugale Tendenzen und Desintegration werden durch strukturelle Kopplungen eingedämmt. Die Modifikation der Programmstrukturen stellt eine Minimalanpassung an Umwelterfordernisse sicher: Umweltänderungen haben Systemänderungen zur Folge, sobald die Strukturen des Systems inkompatibel werden. Die Systeme integrieren sich einerseits koevolutionär über structural drifts oder momenthaft auf Ereignisebene, andererseits durch das übergreifende Netz nicht codegebundener sprachlicher gesellschaftlicher Kommunikation und gesellschaftlicher teilsystemübergreifender Strukturen.

"Was im Verhältnis der Teilsysteme zueinander als strukturelle Kopplung fungiert, ist zugleich [...] eine Struktur des umfassenden Systems der Gesellschaft"73. Systeme befinden sich nach ihrer Ausdifferenzierung nicht in einem Vakuum, sondern bleiben Teil des umfassenden Kommunikationssystems Gesellschaft, das sich an diese Teilsysteme "nur noch anpassen kann"74. Über Sprache und Schrift als Medium gesamtgesellschaftlicher Kommunikation und die gemeinsam benutzten Sinnformen sind gesellschaftliche Teilsysteme miteinander und mit dem übergreifenden Gesellschaftssystem verbunden75, sie reproduzieren in ihren Kommunikationen immer auch Gesellschaft.

Kommunikation findet auch außerhalb der Funktionssysteme statt, ebenso gibt es Kommunikationen, die mehreren Systemen zurechenbar sind, aber Relevanz erlangen nur funktionsspezifische Kommunikationen. Systeme können auch "Informationen erzeugen, die zwischen ihren Subsystemen kursieren"76. Hier ist der Ort der Metakommunikation über ökologische Probleme, die in den einzelnen Funktionssystemen ausgelöst werden. Die Gesellschaft erzeugt Kommunikationen über die außergesellschaftliche Umwelt, die in den Teilsystemen aufgegriffen werden können77.

Jedoch können sich die Funktionssysteme nicht wie Organisationen auf gesellschaftlicher Ebene quasi miteinander verständigen. Deshalb ist es Zufall, wenn etwa wissenschaftliche Entdeckungen gleichgerichtete ökonomische Bedeutung haben78.

Integration zeigt sich nicht erst in der Ausprägung von Strukturen, sondern schon auf der Ereignisebene. Sobald derselbe Event verschieden beobachtet wird, werden Systeme "kontinuierlich integriert und desintegriert, nur momenthaft gekoppelt und sofort für eigenbestimmte Anschlußoperationen wieder freigestellt"79. Systeme integrieren sich im Austarieren ihrer Möglichkeitsspielräume bei permanenter Bewährung im Dauerzerfall der Ereignisse, sie stabilisieren sich durch die Bestätigung von Erwartungen und Herausbildung von Eigenwerten80.

Neben dieser aktiv hergestellten Integration wirkt auch die fehlende Redundanz teilsystemischer Spezialisierungen per se integrativ und gleichzeitig als Katalysator für structural drifts, da "jedes Funktionssystem voraussetzen muß, daß andere Funktionen woanders erfüllt werden"81. Zwischen den Teilsystemen besteht eine unaufhebbare operative Differenz unter Verzicht auf die redundante Absicherung von Funktionen. Das Scheitern eines Subsystems hätte fatale Folgen für Gesellschaft. Das Nebeneinander von Teilsystemen in wechselseitiger energetischer Abhängigkeit wird zum Garanten für soziale Ordnung, ohne Rückgriff auf gemeinsame Werte, Perspektiven und Verständigungen82. Autopoietische Systeme sind nicht auch authypostatisch und autark, sie operieren in einem physisch konstituierten Materialitätskontinuum83. Sie sind abhängig von Ressourcen, die ihnen ihre materiale Umwelt zur Verfügung stellen muß. Hierzu gehören wesentlich die von anderen Funktionssystemen produzierten Externalitäten. Die Funktionssysteme wirken so durchaus zusammen84.

Ein weiterer Ansatz zu Integration eröffnet sich durch die programmatische Berücksichtigung der Codierung anderer Systeme. Programme dienen ja der Öffnung zur Umwelt und können das tertium non datur wieder zugänglich machen - allerdings durch die eigene Leitdifferenz verzerrt. Auch Protestgruppen müssen sich etwa die Sprache der Funktionssysteme zu eigen machen, um in diesen Resonanz zu erzeugen85.

Alle weitergehenden Vorstellungen von teilsystemischer Integration, wie sie Schimank oder Münch explizieren, weist Luhmann zu recht zurück86. Insbesondere verabschiedet er sich vom Parsonsschen Interpenetrationskonzept, das soziale Systeme mit einer übergreifenden Wertordnung dadurch verkettet, daß kulturelle Anteile in ihnen Platz greifen: Systeme können schon logisch über das ausgeschlossene Dritte nicht interpenetrieren87.

Bereits mit seiner wertfreien Definition von Integration setzt sich Luhmann von bisherigen Theorien ab. Integration als "Reduktion der Freiheitsgrade von Teilsystemen, die diese den Außengrenzen des Gesellschaftssystems und der damit abgegrenzten internen Umwelt dieses Systems verdanken"88 ist nicht mit einem harmonistischen Zusammenwirken der Einzelsysteme gleichzusetzen, sondern der Differenz von Kooperation und Konflikt vorgeordnet. Auch Konflikte erfüllen ihre Funktion für die gesellschaftliche Autopoiese dadurch, daß sie Strukturbildungen und neue Strategien der Problemlösung anregen.

In Bezug auf die außergesellschaftliche Umwelt ist die Selbstbeschränkung von Freiheitsspielräumen89 zur Überlebensfrage geworden: Wir dürfen nicht alles, was wir können90. Die Systeme werden in ihre Programme "Stoppregeln" einbauen müssen. Ohne eine gesamtgesellschaftliche Rationalität ist dies jedoch illusorisch.

Ein neuerer Ansatz befaßt sich mit der Frage, ob sich aufgrund selbsterzeugter ökologischer Probleme neue Differenzierungsformen herausbilden könnten, "sekundäre Primärsysteme" aus zweiter Hand, die im Gefolge der von den primären Funktionssystemen nicht lösbaren Folgeprobleme emergieren91. Fraglich ist jedoch, inwieweit funktionale Differenzierung selbstverursachte Probleme durch weitere funktionale Ausdifferenzierung, ein Mehr desselben, wird lösen können, oder ob diese nur sachlich und zeitlich verschoben werden92.

In Bezug auf die menschliche Umwelt ist für Luhmann selbst angesichts des sich abzeichnenden Versagens der Funktionssysteme hinsichtlich der Vollinklusion der Individuen ein Wechsel der funktionalen Differenzierung zur Leitdifferenz Inklusion/Exklusion nicht mehr auszuschließen93.

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Anmerkungen

(1) Das galt unter dem Paradigma sozialer Handlungssysteme noch nicht in dem Maße. Zwar wurde auch hier gezeigt, daß im Zuge der Ausdifferenzierung Kompetenzansprüche des jeweils einen Systems aus dem anderen ausgeschlossen werden. Aber "als selektive Prozesse können Handlungen mehreren Systemen zugleich angehören, können sich also an mehreren System/Umwelt-Referenzen zugleich orientieren. Soziale Systeme sind daher nicht notwendig wechselseitig exklusiv - so wie Dinge im Raum" (Luhmann 1975a: 18). In der neuen Fassung wird die Partizipation psychischer Systeme über Sozialintegration nur noch als Unterscheidung teilsystemischer Inklusion und Exklusion beschrieben (vgl. ders. 1997: 619-634).

(2) Vgl. Luhmann 1997: 709.

(3) Vgl. Luhmann 1995: 554. Damit grenzt sich Luhmanns differenztheoretischer Ansatz von der Interpretation von Differenzierung als Arbeitsteilung ab, die von der ursprünglichen Einheit der Gesellschaft und nachfolgenden Aufteilung ausgeht.

(4) Vgl. Luhmann 1996b: 53.

(5) Vgl. Luhmann 1996h: 173; vgl. ders. 1997: 598.

(6) So etwa die Ausdifferenzierung eines Umweltrechts neben dem Straf- und Zivilrecht.

(7) Zum Beispiel müssen Zahlungen zu neuen Zahlungen führen, nicht zu Rechtsentscheidungen.

(8) Nicht also etwa die Unterscheidung nach recht/unrecht/umweltschädlich.

(9) Luhmann 1996h: 47.

(10) Luhmann 1986: 40.

(11) Vgl. Luhmann 1995: 443; vgl. ders. 1997: 792.

(12) Vgl. Luhmann 1997: 790.

(13) Vgl. Luhmann 1997: 789.

(14) Nicht: Pluralismus (vgl. Luhmann 1992c: 61).

(15) Einen Restbereich wie etwa die Habermassche Lebenswelt als Bereich unversehrter Vergesellschaftung und Einheit der Welt gibt es in dieser Konzeption nicht: Die Unterscheidung vertraut/unvertraut ist für jeden Beobachter eine andere.

(16) "Das nie ganz gegenwärtige Ganze kann nicht als Ganzes vergegenwärtigt werden" (Luhmann 1996e: 82; vgl. ders. 1996b: 53). Die Gesellschaft als ganze ist weder handlungsfähig noch adressierbar (vgl. Fuchs 1992: 226-229).

(17) Vgl. Luhmann 1986: 216f.

(18) Vgl. Luhmann 1995: 494.

(19) Vgl. Luhmann 1997: 413-431.

(20) Vgl. Luhmann 1991: 411-417.

(21) Luhmann 1991: 414.

(22) Luhmann 1991: 416.

(23) Vgl. Luhmann 1991: 37.

(24) Vgl. Luhmann 1998: 635-637.

(25) Vgl. Luhmann 1995: 554.

(26) Vgl. Luhmann 1997: 497. Das liegt zum einen daran, daß Organisationen primär nicht Probleme lösen, sondern Ziele suchen (vgl. ders. 1992f: 205-209), zum anderen daran, daß sie eigenständige Sozialsysteme sind: die Gesellschaft mit ihren Subsystemen ist mehr als die Summe der in ihr operierenden Interaktions- oder Organisationssysteme. Erst die Differenz zu diesen Systemen etabliert einen neuen Abstraktions- und Selektionsgrad. Weil aber die Gesellschaft mit ihren Subsystemen weder interagieren noch sich organisieren kann, ist sie auf Mutanten angewiesen, die die eingebetteten Systeme anbieten, und die das Gesellschaftssystem eigenbestimmt aufgreifen kann (vgl. ders. 1991: 584f; vgl. ders. 1997: 840-847).

(27) Vgl. Luhmann 1996: 302-323.

(28) Vgl. Luhmann 1997: 421; vgl. ebd.: 428f.

(29) Vgl. Luhmann 1991: 482.

(30) Vgl. Luhmann 1998: 558-561.

(31) Vgl. Luhmann 1983: 35.

(32) Luhmann 1983: 37.

(33) Luhmann 1983: 29. "Es gibt in Funktionssystemen keine sinnvolle Gegenrationalität, die besagen würde, daß man die Funktion lieber weniger gut erfüllen sollte. Es ist gerade der Sinn funktionaler Differenzierung, jedem System die Hypostasierung der eigenen Funktion zu erlauben, ja abzuverlangen, und den Ausgleich den System/Umwelt-Interdependenzen des Gesellschaftssystems, d.h. der Evolution, zu überlassen" (ebd.: 29f).

(34) Anspruchsdruck verstärkt und legitimiert das Prozessieren nach der Logik der binären Codes, die hierdurch mit "Stoppregeln", beispielsweise aufgrund der Knappheit finanzieller Mittel, versorgt werden (vgl. Schimank 1996: 184).

(35) Vgl. Luhmann 1997: 757-759; vgl. ders. 1996g: 192.

(36) Die segmentäre Reziprozität ist aufgehoben.

(37) Vgl. Luhmann 1996h: 170.

(38) Luhmann 1997: 133.

(39) Luhmann 1996b: 59.

(40) Vgl. Luhmann 1997: 568.

(41) Luhmann 1991: 645.

(42) Vgl. Luhmann 1997: 427, vgl. ebd.: 536f.

(43) Luhmann 1986: 38.

(44) Luhmann 1992f: 149; vgl. ebd.: 160. Dies sollte aber auch vor dem Hintergrund der prinzipiellen Unwahrscheinlichkeit erfolgreicher Kommunikation gesehen werden. Der Aufbau komplexer sozialer Systeme und die Fortsetzung ihrer Autopoiese, die die Annahme von Kommunikation zur Voraussetzung hat, ist per se unwahrscheinlich.

(45) Vgl. Luhmann 1992: 121.

(46) Luhmann 1996h: 185.

(47) Luhmann 1997: 779.

(48) Luhmann 1995: 441.

(49) Vgl. Luhmann 1995: 446-451. Diese Kopplung umfaßt nicht nur den Einfluß wirtschaftlicher Interessen auf das Recht und rechtliche Beschränkungen wirtschaftlicher Interessen. Es geht um ein tiefer angesiedeltes konstitutives Verhältnis, nicht jedoch um Fremdsteuerung.

(50) Die Verfassung verpflichtet Politik auf das Grundgesetz, ermöglicht andererseits eine politisch initiierte Gesetzgebung (vgl. Luhmann 1997: 782; vgl. ders. 1995: 468-481). Zwischen der Legislative als Ergebnis politischer Vorarbeiten und Kompromisse und dem Rechtssystem besteht dabei keine Hierarchie (vgl. ders. 1995: 297-337). Die Gesetzgebung ist nicht "Basis für die Rationalität aller Rechtsentscheidungen" (ebd.: 328), sondern der "Ort der Transformation von Politik in Recht und [...] Ort der rechtlichen Beschränkung von Politik" (ebd.: 429). Daneben dient das Rechtssystem der Festigung von Verhandlungspositionen: kollektiv bindende Entscheidungen müssen im Rechtssystem beachtet werden und sind gleichzeitig Rechtsentscheidungen bzw. Rechtsnormen (vgl. ders. 1991a: 178f).

(51) Strukturelle Kopplung impliziert nicht Infiltration oder Überlappung von Systembereichen.

(52) Die Begriffe "Strukturelle Kopplung" und "Irritation" bedingen sich wechselseitig (vgl. Luhmann 1995: 441f).

(53) Luhmann 1997: 525.

(54) Vgl. Luhmann 1997: 788.

(55) Luhmann 1991: 290.

(56) Interpenetration ermöglicht ein Verhältnis von autonomer Autopoiesis und strukturellen Kopplungen (vgl. Luhmann 1991: 300).

(57) Vgl. Luhmann 1997: 108. Interpenetration bezeichnet somit eine engere Beziehung als strukturelle Kopplung.

(58) Vgl. Luhmann 1998: 570, Fn. 38.

(59) Vgl. Luhmann 1995d: 148.

(60) "Personen sind Identifikationen, die auf keinen eigenen Operationsmodus Bezug nehmen. Sie sind also keine Systeme" (Luhmann 1995d: 146f, Herv. i. O).

(61) Wissenschaftliche Gutachten finden nicht Anerkennung, weil sie von der Zigarettenindustrie finanziert werden, sondern weil sie sich auf wissenschaftliche Publikationen und ihnen zugrundeliegende Untersuchungen berufen. Auf der Organisationsebene sind aber Verflechtungen unbestreitbar. Auch innerhalb von Organisationen überlagern informelle Interaktionsstrukturen die formellen Organisationsstrukturen und gewährleisten erst deren Funktionieren (vgl. Fuchs 1992: 60, Fn. 88). Viele Kritiken an der Systemtheorie werden mit der Trennung von Organisations- und Gesellschaftsebene gegenstandslos.

(62) Vgl. Münch 1996: 50-56.

(63) Nach Münch überschneiden sich die Subsysteme in Zonen der Interpenetration, in denen sich brückenbildende Vermittlungssysteme herausbilden können (vgl. Münch 1984: 14). Münchs Interpenetrationstheorie lehnt sich an Parsons an und ist mit Luhmanns Theorie inkompatibel.

(64) Im Zuge der Globalisierung ist Wirtschaft für Beck immer weniger gegen Politik abgrenzbar, wo wirtschaftliches Handeln selbst politisch wird. Die Ökonomie zielt auf den Abbau von Investitionshindernissen ökologischer, gewerkschaftlicher, steuerlicher und sozialstaatlicher Art. Angestrebt wird die Utopie des minimalen Staates. Der Machtzuwachs basiert auf der Möglichkeit, durch den Zugriff auf materielle Lebensadern im business as usual, durch das Auseinanderfallen von Produktions-, Investitions-, Steuer- und Wohnort dem Staat Kapital, Steuern und Arbeitsplätze zu entziehen. Die Weltgesellschaft als Summe von Nationalstaaten war für Beck noch funktional differenzierbar, die Weltgesellschaft als Summe transnationaler Akteure und Räume ist es nicht mehr (vgl. Beck 1997: 13-23; vgl. ebd.: 181).

(65) Vgl. Luhmann 1996b: 54.

(66) Luhmann 1991: 295, Herv. i. O.

(67) Vgl. Luhmann 1997: 607.

(68) Vgl. Luhmann 1997: 834; vgl. ebd.: 843. Nicht nur die Gesellschaft hat keine Zentrale, auch die Teilsysteme sind nicht erreichbar. Sie bestehen aus Kommunikationen, nicht aus Identitäten.

(69) Vgl. Luhmann 1997: 607; vgl. ebd.: 759; vgl. ders. 1996: 51.

(70) Auch Fuchs hielte dies für eine Inkonsistenz der Theorie. Kommunikationen bilden emergente Drittsysteme, soziale Systeme sui generis, wovon die beteiligten Systeme nicht Bestandteil sind (vgl. Fuchs 1999).

(71) Wirtschaftsunternehmen sind nicht Wirtschaftssysteme "im Kleinen", sie prozessieren nur primär Zahlungen.

(72) Luhmann 1997: 779.

(73) Luhmann 1997: 601, Herv. i. O..

(74) Luhmann 1996h: 33; vgl. ders. 1997: 130; vgl. ebd. 524-527; vgl. ebd. 779.

(75) Vgl. Luhmann 1995: 481; vgl. ders. 1997: 562.

(76) Luhmann 1996h: 41.

(77) Als Multiplikator könnte das Erziehungssystem dienen, das auf die psychische Umwelt wirkt. "Sollen davon Wirkungen auf das Gesellschaftssystem ausgehen, muß diese Umwelt wiederum auf die Gesellschaft zurückwirken, das heißt: kommunikativ angeschlossen werden können" (Luhmann 1986: 200).

(78) Vgl. Luhmann 1996b: 52. Rationalisierungsmaßnahmen in der Wirtschaft steigern Börsengewinne, aber auch Arbeitslosigkeit, mit der das politische System umgehen muß.

(79) Luhmann 1997: 606.

(80) Vgl. Luhmann 1997: 604-606.

(81) Luhmann 1986: 87.

(82) Vgl. Luhmann 1997: 617.

(83) Vgl. Luhmann 1998: 30.

(84) Forschung benötigt Finanzen, die ihr ein funktionierendes Wirtschaftssystem sichern muß, die Ökonomie baut auf die Erfüllung der Allokationsfunktion des Erziehungssystems. Die Etablierung von Hochtechnologien ist auf wissenschaftliche Forschungen, auf politische Entscheidungen über rechtliche Haftungsbeschränkung und auf wirtschaftliche Investitionen angewiesen (vgl. Luhmann 1986: 98f).

(85) Vgl. Lange 1999: 123.

(86) Vgl. Luhmann 1997: 607f; vgl. ebd.: 842f.

(87) Vgl. Luhmann 1996b: 55.

(88) Luhmann 1997: 603.

(89) Vgl. Luhmann 1997: 314.

(90) Vgl. Luhmann 1997: 603, Fn. 20.

(91) Vgl. Fuchs/Schneider 1995.

(92) Vgl. Beck 1996: 46.

(93) Vgl. Luhmann 1995e: 238; vgl. ebd.: 250; vgl. ebd.: 261.

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